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Big-Brother-Gewinner unsere Hoffnung im Sejm

Mit einer gewissen Ernüchterung dürften viele Einwohner des Landkreises Chelmno die Ergebnisse der Parlamentswahlen aufgenommen haben, auch wenn sie zu den Wählern der siegreichen Parteien zählen. Auch bei ihnen weicht die Freude über den Wahlsieg allmählich der Erkenntnis, dass der Kreis Chelmno - wie so viele “ländliche” Kreise des Wahlbezirks Torun-Wloclawek - wieder keinen Abgeordneten aus der unmittelbaren Nachbarschaft in den Sejm gebracht hat. Das Wahlsystem bevorzugt Kandidaten, die in den Großstädten wohnen und wirken, sich dort profilieren und leichter die fünfstellige Stimmenzahl aktivieren können, die für einen Einzug ins Parlament notwendig ist. Ein Politiker aus einer Kleinstadt oder gar einem Dorf schafft das kaum. Eine Ausnahme bilden natürlich landesweit oder sogar international bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Radoslaw Sikorski, aber Politiker dieses Formats sind in der Region selten.
Die mangelnde personelle Verbundenheit mit der Basis können auch die Parteiorganisationen “ganz unten” nicht ausgleichen. Wenn man einmal von der PSL absieht, ist derzeit im Parlament keine Partei vertreten, die über eine gewisse Tradition verfügt. Der Wahlgewinner Bürgerplattform wurde ebenso wie die bisherige Regierungspartei erst vor wenigen Jahren gegründet und die “Linken und Demokraten” (LiD) bilden ein Zweckbündnis linker und liberaler Gruppierungen, das die kommende Legislaturperiode kaum überleben wird.
Hinzu kommt ein fröhliches Wechseln von einer Partei zur anderen. Radoslaw Sikorski mag man noch glauben, dass sein Ausscheiden aus der PiS-Regierung und die Kandidatur für die Bürgerplattform nicht nur konjunkturelle Gründe hatte. Das Verhalten vieler Kommunalpolitiker, alle paar Jahre die Partei wechseln zu müssen, befremdet doch. So verwundert es nicht, dass allen Parteien ganz unten in den Ortsvereinen ein klares Gesicht fehlt und viele Menschen nicht zur Wahl gehen, weil sie sich unter “Recht und Gerechtigkeit”, “Bürgerplattform” oder “Linke und Demokraten” nicht mehr als die “große Politik” vorstellen können, die in Warschau gemacht wird.
Die Hoffnungen der Menschen im Kreis Chelmno ruhen nun auf den Abgeordneten, die ihnen räumlich am nächsten sind, besonders auf Janusz Dzieciol aus Grudziadz (Graudenz), bisher Chef der Stadtpolizei in der Nachbarstadt Swiecie (Schwetz) und vielen Fernsehzuschauern - und sicherlich auch Wählern - noch als Gewinner der ersten polnischen Big-Brother-Staffel im Jahr 2001 in Erinnerung. Zwar konnte er im Stadtrat seiner Heimatstadt, zuletzt als stellvertretender Ratsvorsitzender, kommunalpolitische Erfahrungen sammeln. Ob er sich jedoch mit seiner eher ruhigen und besonnenen Art im Hexenkessel Warschau durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die Erwartungen sind hoch, besonders weil er als Abgeordneter der Regierungspartei Bürgerplattform nach der Wunschvorstellung vieler an den Schalthebeln der Macht sitzt. Davon, wie viel er im Sejm für seinen Wahlkreis in den nächsten vier Jahren erreicht, wird maßgeblich abhängen, ob er 2011 wieder auf seinen Posten bei der Stadt Swiecie zurückkehren oder noch länger im Parlament vertreten sein wird. Ein Berufspolitiker ist er sicherlich nicht. Vielleicht liegt gerade darin seine große Chance! Viel Glück, Janusz Dzieciol!



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