Streit um Umgehungsstraße
Aus EU-Fonds fließende Zuschüsse für Infrastrukturmaßnahmen verändern zweifelsohne die polnische Landschaft. Jeder, der öfters durch Polen reist, wird bestätigen können, dass viele Straßen modernisiert oder neu gebaut, viele Bürgersteige angelegt, öffentliche Plätze in Ortskernen saniert und neue Wasserleitungen sowie Kanalisationen geschaffen worden sind. Die Verteilung der Mittel erfolgt über ein kompliziertes Bewerbungsverfahren, an dem die Landkreise und Gemeinden teilnehmen können, um sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen abzuschneiden. Der Bedarf ist natürlich größer als der Topf, aus dem die Zuschüssen fließen. Kontroversen und Klagen über Benachteiligungen sind daher trotz des langwierigen und mehrstufigen Bewerbungsverfahrens an der Tagesordnung.
Für die Zuweisung von Finanzmitteln für kleinere Projekte ist der Marschall, also der Chef der Woiwodschaftsverwaltung (nicht zu verwechseln mit dem Woiwoden als Vertreter der Zentralregierung in der jeweiligen Woiwodschaft), zuständig. In Kujawien-Pommern hat der Marschall entschieden, dass jeder Landkreis - unabhängig vom üblichen Bewerbungsverfahren - ein Investitionsvorhaben benennen kann, das bevorzugt bezuschusst wird. Wie die Gazeta Pomorska berichtet, hat der Landrat von Chelmno Zdzislaw Gamanski den Bau der Umgehungsstraße für Chelmno als vordringliche Maßnahme gemeldet. Diese Entscheidung stößt in den ländlichen Gemeinden des Landkreises auf Widerstand. So sieht Roman Misiaszek, der Gemeindevorsteher von Unislaw, andere Aufgaben als wichtiger an, beispielsweise den Bau einer neuen Straße in seiner Gemeinde, und wirft dem Landrat vor, nur die Interessen der Stadt im Auge zu haben.
Landrat Gamanski bleibt jedoch hart und argumentiert: Der die Altstadt von Chelmno belastetende Verkehr würde teilweise von Betrieben generiert, die ihren Sitz in den umliegenden Gemeinden haben und dort Steuern zahlen. Außerdem würde die Umgehungsstraße nicht nur die Lage in der Stadt Chelmno, sondern auch in der Landgemeinde Chelmno sowie den Gemeinden Stolno und Kijewo Krolewskie verbessern.
Hinter den Kulissen brodelt es. Gamanski appelliert jedoch, die sich bietende Chance, für den Bau der Umgehungsstraße EU-Mittel zu erhalten, nicht zu zerreden.









