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Moderne Videoüberwachung in der Altstadt

Videokamera am Eckhaus ul. Hallera / Markt in Chelmno, 18.10.2009Zum zweiten Mal innerhalb weniger Jahre unternimmt die Stadt Chelmno den Versuch, durch eine Videoüberwachung strategischer Punkte in der Altstadt die (gefühlte) Sicherheit von Einwohnern und Touristen zu erhöhen. Während das erste, vor einigen Jahren installierte, Überwachungssystem noch nicht sonderlich leistungsfähig war und mit der Zeit wohl nur noch als Attrappe diente, ist die Aufgaben eines Ordnungsamtes wahrnehmende Stadtpolizei nun seit Mitte Oktober stolzer Besitzer nagelneuer Kuppelkameras sowie einer ausbaufähigen Zentrale.

Vorerst befindet sich eine rundum steuerbare und auch in der Nacht funktionierende Kamera am Gebäude der Stadtverwaltung, eine zweite am Eckhaus ul. Hallera/Markt (siehe Foto), so dass die Stadtpolizisten in ihrer Wache an den Monitoren sowohl den südlichen und östlichen Bereich des Marktplatzes als auch die Fußgängerzone (ul. Grudziadzka) bis zum Graudenzer Tor einsehen und das Geschehen aufzeichnen können. Langfristig sollen an das Überwachungssystem bis zu 35 Kameras in verschiedenen Stadtteilen angeschlossen werden. Die Stadtpolizei hofft auch, so schreibt die Tageszeitung Gazeta Pomorska in einem Artikel vom 13. Oktober 2009, die Mittel für den Kauf drei mobiler Kameras zu erhalten, die bei Bedarf auf dem Fußballplatz, im Amphitheater und anderen Veranstaltungsorten installiert werden können, um etwaige Gesetzesverstöße der Besucher aufzuzeichnen.

Am 4. November 2009 befasste sich die Gazeta Pomorska erneut mit dem Thema. Die Stadtpolizei lobt das Überwachungssystem und verweist auf zahlreiche Erfolge. Wer als Leser aber erwartet, von der Verhinderung von Schlägereien, Überfällen oder anderer schwerer Straftaten, die sich am späten Abend und in der Nacht selten, aber immerhin, ereignen, zu erfahren, wird enttäuscht. Wegen Personalmangels sitzt nämlich sonntags und nachts niemand vor den Monitoren. Das jeweilige Kamerabild wird lediglich aufgezeichnet.

Worauf beruht dann die erfolgreiche Nutzung der Videoüberwachung? Auf der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten. Falschparken, Bettelei, Alkoholgenuss an unzulässigen Stellen, Nichtbeseitigung der Hinterlassenschaft von Hunden durch den Besitzer und ähnliche geringfügige Vergehen werden nun in Farbe aufgezeichnet und durch die Möglichkeit, eine Polizeistreife rasch zum „Tatort“ zu beordern, schnell geahndet. 70 Ordnungswidrigkeiten, die den Stadtpolizisten ohne Kameras wahrscheinlich entgangen wären, hat man bis Anfang November registriert.

Obwohl einer der erwähnten Artikel sogar mit „Big Brother“ überschrieben ist, gibt es bisher keine vernehmbare Kritik an der Videoüberwachung, selbst nicht von Personen, die in unmittelbarer Reichweite der Kamera am Markt wohnen. Ich bin dennoch gespannt, wann im Stadtrat den Verantwortlichen die Frage gestellt wird, ob es nicht sinnvoller wäre, die durch das Ausfüllen von Strafzetteln für Falschparker gebundenen Personalressourcen dann einzusetzen, wenn es wirklich gefährlich sein kann, nämlich in den späten Abendstunden und nachts. Wenn ich als Einwohner schon in Kauf nehmen muss, beim Gang durch die Stadt gefilmt zu werden, möchte ich zumindest zu wirklich kritischen Uhrzeiten die Gewissheit haben, dass ich schnell polizeiliche Hilfe erwarten kann, wenn ich es selber nicht schaffe, als Opfer einer Straftat den Notruf zu wählen.

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