Finanzkrise trifft Bauträger und Wohnungskäufer
Mit zunehmender Unruhe verfolgen Eigentumswohnungen errichtende Bauträger in Polen die derzeitige Finanzmarktkrise. Noch vor einigen Monaten stellte der Absatz von Neubauwohnungen wegen der – aus heutiger Sicht - großzügigen Kreditvergabepraxis der Banken, die ihren Kunden oft sogar Darlehen in Höhe von 100% des geschätzten Wohnungswerts einräumten, ohne einen Eigenanteil des Kunden zu verlangen, kein sonderliches Problem dar. Die fast vollständige Zahlung des Kaufpreises für eine Wohnung noch vor Fertigstellung war gängige Praxis, so dass der Bauträger den Bau eines Mehrfamilienhauses mit den laufenden Zahlungen finanzieren konnte. Für viele Objekte gab es eine so große Nachfrage, dass die Anbieter Preise durchsetzen konnten, die weit über den noch vor ein paar Jahren üblichen Werten lagen.
Mit dem Boom ist es nun erst einmal vorbei. In Zeitungen und Fernsehen häufen sich die Berichte, dass Banken ihre Kriterien in den letzten Wochen deutlich verschärft haben und sogar quasi in letzter Sekunde vor Unterzeichnung eines Kreditvertrags ihre Zusage zurücknehmen und nun für den potentiellen Kreditnehmer nur schwerlich annehmbare Bedingungen zur Geschäftsgrundlage machen wollen. Insbesondere erwarten immer mehr Banken einen wesentlich höheren Eigenanteil, wollen also nicht mehr die vollständige Finanzierung eines Wohnungskaufs übernehmen. In einschlägigen Internetforen mehren sich die Klagen von betroffenen Kreditnehmern, die bereits Anzahlungen an Wohnungsverkäufer geleistet haben, nun aber als nicht mehr kreditwürdig gelten oder – nach Vertragsunterzeichnung - wegen nicht fristgerechter Überweisung der Darlehenssumme durch die Bank in Schwierigkeiten geraten.
Die Lokalredaktion der Tageszeitung Gazeta Wyborcza in Bydgoszcz, der größten Stadt der Woiwodschaft Kujawien-Pommern, hat örtliche Bauträger, die sich mit der Errichtung und dem Verkauf von Eigentumswohnungen befassen, um eine Einschätzung der zukünftigen Entwicklung gebeten. Es wird deutlich, dass der bisherige Optimismus in der Branche verflogen ist und allgemein mit einer weiteren Verschärfung der Lage gerechnet wird. Ein von der Zeitung befragter Experte erwartet Wertverluste von bis zu 15%. Bauträger versuchen, angesichts der rückläufigen Zahl von Interessenten potentiellen Kunden bei der Aufnahme eines Kredites zu helfen, denken aber noch nicht daran, die Preise zu senken. Ein Unternehmen ist dazu übergegangen, bei Unterzeichnung eines Kaufvertrags für eine Wohnung nur eine Anzahlung von 10% und den vollen Preis erst bei Übergabe der Wohnungsschlüssel nach Fertigstellung zu verlangen. Damit will es Kunden mehr Zeit geben, die Finanzierung des Wohnungskaufs zu regeln.










