Ungewohnter Ladenschluss an Allerheiligen
Ein Ladenschlussgesetz ist etwas Neues in Polen und für Polen. Der Gesetzgeber hat es so gewollt: Gestern war Allerheiligen, der erste Feiertag, an dem Arbeitnehmer im Einzelhandel nicht hinter der Ladentheke standen oder an der Kasse saßen, sondern wie andere Beschäftigte auch zu Hause bleiben und dann in Ruhe die Gräber ihrer Nächsten besuchen konnten.
Bisher gab es selbst an wichtigen Feiertagen keinen gesetzlichen Ladenschluss. Jeder Ladeninhaber konnte selber regeln und festlegen, wann er geöffnet und wann er geschlossen hat. So waren bereits in den vergangenen Jahren viele Läden am 1. November immer geschlossen, aber dies beruhte auf einer freien Entscheidung der Eigentümer. Manche machten frei, manche nicht. Seit gestern steht nun der Schutz der Arbeitnehmer an erster Stelle. Schön für sie, aber ungewohnt für den polnischen Konsumenten, der daran gewohnt war, selbst an wichtigen Feiertagen, sogar Ostern und Weihnachten, immer irgendeinen Lebensmittelladen zu finden, in dem er ein Stück Butter oder ein Brot kaufen konnte. Gestern war das zum ersten Mal schwierig, denn wenn ein Ladeninhaber öffnen wollte, musste er höchstpersönlich die Kundschaft bedienen. Das gestattet ihm das Gesetz, denn er als Arbeitgeber verdient keinen Schutz, er darf arbeiten, wenn er will, soll so sogar einen kleinen Wettbewerbsvorsprung vor den mächtigen Supermarktketten bekommen, die als “Konsumtempel” die Feiertagsruhe beeinträchtigen sollen.
Viele Kaufleute waren es nicht, die gestern in Chelmno diese gewollte Gesetzeslücke genutzt haben. Nun einen einzigen Laden mit Lebensmitteln konnte ich an der ul. Grudziadzka, der Hauptstraße in der Altstadt, ausmachen, der nicht geschlossen war. Für den Inhaber dürfte es sich gelohnt haben, denn die Schlange zur Kasse war lang, so lang, dass ich mir für den nächsten vom neuen Ladenschlussgesetz betroffenen Feiertag, nämlich den 11. November, vorgenommen habe, spätestens einen Tag vorher alles Notwendige zu besorgen, so wie ich es aus Deutschland gewohnt war, aber in Polen in den letzten Jahren verlernt hatte.









